Mölln, 22.12.2025, ergänzt am 13.01.2026 und 20.01.2026
Hinweis: In den Stellungnahmen vom 22.12.2025 und der Ergänzung vom 13.01.2026 ist der Bürgermeister davon ausgegangen, dass die Behauptungen im Film das Ergebnis einer mangelhaften Recherche seitens der Filmemacherin seien. Mit Schreiben vom 15.01.2026 wurde der Stadt Mölln jedoch mitgeteilt, dass die Dankesanzeige der Brandopfer vom 22.12.1992 dem Publikum bewusst vorenthalten wurde. Daher wird diese Stellungnahme erneut umgeschrieben.
Einleitung
Die Brandanschläge in Mölln vom 23. November 1992 waren ein grausamer, rassistischer Akt, der drei Menschen das Leben nahm und viele weitere bis heute tief verletzt hat. Unser Mitgefühl und unsere Solidarität gelten vom ersten Tag an den Betroffenen und ihren Familien.
Der Dokumentarfilm „Die Möllner Briefe“ rückt die Ereignisse und deren Folgen erneut in den Fokus. Dieser Film vermittelt jedoch durch falsche Behauptungen ein negatives Bild von der Stadt Mölln, welches zu falschen Anschuldigungen, einer Welle von Hass und zuletzt sogar zu einer Morddrohung geführt haben. Viele Menschen ärgern sich über die Darstellungen im Film und fühlen sich in ihrer Ehre und Solidarität verletzt.
Im Namen der Stadt Mölln möchte ich Folgendes klarstellen:
Die Beileidsbriefe und Hilfsangebote
Nach den Anschlägen erreichten Mölln zahlreiche Beileidsbekundungen und Unterstützungsangebote – sowohl international, national als auch von Bürgern der Stadt. Vereine, Kirchengemeinden, Nachbarschaften und viele Bürgerinnen und Bürger boten konkrete Hilfen an. Diese Gesten stehen für die große Anteilnahme, die es gegeben hat und die bis heute fortwirkt.
Direkt nach den Brandanschlägen war die sogenannte Teestube in der Seestraße Anlaufstelle für viele Betroffene. Darüber wurde auch über regional in den Medien berichtet, was dazu führte, dass der überwiegende Teil der Briefe direkt dorthin adressiert wurde. Diese Briefe sind dort geöffnet worden. Viele Schreiben gelangten somit direkt zu den Familien. Zeitzeugen und Unterlagen belegen diesen Ablauf, ebenso eine Aussage im Film. Zu einem späteren Zeitpunkt wurden die Briefe aus der Teestube an die Stadt übergeben, da diese durch die Betroffenen nicht mitgenommen wurden. Deshalb hat die Stadt diese Briefe als historisches Zeitzeugnis archiviert.
Die im Film benannten 306 Briefe sind direkt bei der Stadt eingegangen. Diese 306 Briefe waren an den Bürgermeister bzw. die Stadt Mölln adressiert und wurden daher von Mitarbeitenden der Stadt Mölln geöffnet. Über den Eingang dieser Briefe sind die Betroffenen schriftlich informiert worden. Im Film steht ein Opfer der Brandanschläge im Mittelpunkt, das zum Zeitpunkt der Brandanschläge 7 Jahre alt war. Der Bürgermeister der Stadt Mölln hat im Dezember 1992 unter anderem den Vater des siebenjährigen Kindes angeschrieben, sein tiefes Mitgefühl ausgedrückt, über die bei der Stadt eingegangenen Briefe informiert und eine Einsichtnahme in die Briefe angeboten. Dieser Vorgang ist bis heute im Archiv der Stadt Mölln anhand von Dokumenten nachvollziehbar. Diese Tatsache ist der Filmemacherin bekannt und wesentliche Inhalte dieses Briefes werden in dem Film nicht genannt.
Die Annahme, Briefe seien von der Stadt Mölln zurückgehalten und nicht bekanntgegeben worden, entspricht somit nicht den Tatsachen. Das Gegenteil ist der Fall.
Es existiert eine Dankesanzeige in den Lübecker Nachrichten, die im Namen aller Brandopfer am 22.12.1992 veröffentlich wurde. Allein aus dem Anzeigetext kann man entnehmen, dass die Opfer der Brandanschläge über die Solidaritätsbekundungen aus der ganzen Welt informiert waren. Der Anzeigentext ist unmissverständlich. Ebenfalls ist dem Anzeigentext zu entnehmen, wie dankbar die Brandopfer über die umfangreichen Hilfen waren, die aus allen Teilen der Gesellschaft, auch von der Stadt Mölln, geleistet wurden. Der Film hätte sich mit diesem Sachverhalt auseinandersetzen müssen, tut es jedoch nicht. Die Dankesanzeige wurde den Zuschauern bewusst vorenthalten.
Nachfolgend wird die Dankesanzeige der Brandopfer zitiert:
Lübecker Nachrichten vom 22.12.1992
„DANK FÜR BEISPIELHAFTE HILFE
Die beiden Brandanschläge, bei denen in Mölln am 23. November drei unserer Landsleute durch die Hand von Rechtsextremisten starben, haben nicht nur Entsetzen und Angst, sondern auch Schmerz, Leid und Kummer über uns gebracht. Umso dankbarer sind wir allen Menschen aus allen Teilen der Welt, die auf das schreckliche Geschehen mit beispielhafter Solidarität reagieren.
Von Kanada über Saudi-Arabien bis Japan reicht der Kreis, aus denen wir Beileidsbekundungen und Unterstützung erhielten, und in Mölln und seiner Umgebung zeigten unzählige Menschen ein unglaubliches Maß an Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Stellvertretend für alle bedanken wir uns namentlich bei Möllns Bürgermeister Joachim Dörfler und Ortsamtsleiterin Margit Schult für ihre rastlose Hilfe. In diesen Dank schließen wir ausdrücklich alle Feuerwehrleute mit ein, weil sie durch ihren mutigen Einsatz verhinderten, dass noch mehr unserer Landsleute in den Flammen starben.
Alle, die sich demonstrativ oder im Stillen an unsere Seite gestellt haben, machen uns neuen Mut, an ein berechtigtes Miteinander unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen in Deutschland zu glauben. Wir wünsche allen Menschen friedliche Feiertage und ein neues Jahr ohne Gewalt und Haß.
Serkan Demirtas und Nurettin Ergen
im Namen aller Brandopfer und aller Türken aus Mölln und Umgebung“
In dem Film hätte man sich mit dem Inhalt der Dankesanzeige auseinandersetzen müssen. Der Inhalt der Dankesanzeige steht in einem offenkundigen Widerspruch zu den Anschuldigungen des Filmes. Mit diesem Widerspruch hätte sich eine Dokumentation auseinandersetzen müssen. Die bewusste Entscheidung, diese Informationen vorzuenthalten, stellt einen schweren Mangel dar. Es wird in Kauf genommen, dass die handelnden Personen seitens der Stadt Mölln schwerer Kritik ausgesetzt werden.
Zum Vorwurf des Briefgeheimnis-Verstoßes
Im Film wird die Frage aufgeworfen, ob die Stadt Mölln gegen das Briefgeheimnis verstoßen habe. Dieser Vorwurf wird zurückgewiesen. Wenn Briefe an die Stadt oder den Bürgermeister der Stadt gerichtet wurden, lag kein Verstoß gegen das Briefgeheimnis vor, wenn die Adressaten der Briefe ihre eigene Post öffneten. Briefe, die an die Teestube gingen, wurden auch dort geöffnet.
Zur Wohnsituation der Betroffenen
Die Frage der Unterbringung der Betroffenen nach dem Anschlag wird im Film kritisch dargestellt. Tatsache ist, dass für jede Familie umgehend Ersatzwohnraum gesucht und gefunden wurde. Hierbei hat es sich häufig um Notlösungen gehandelt, sodass sich ein Großteil der Betroffenen später andere Wohnungen gesucht hat. Hierbei wurden sie durchgehend von der Stadtverwaltung Mölln und der Bevölkerung unterstützt. Das Brandhaus in der Mühlenstraße wurde zwischenzeitlich umfangreich saniert. Diese Wohnmöglichkeit wurde vorrangig den Betroffenen der Brandanschläge angeboten. Es war ein Angebot und kein Zwang. Von dieser Möglichkeit wurde im Jahr 1995 Gebrauch gemacht.
Gedenkveranstaltungen
Die jährlichen Gedenkveranstaltungen sind seit vielen Jahren fester Bestandteil der Erinnerungskultur in Mölln. Die betroffenen Familien wurden dabei einbezogen.
Gleichwohl haben wir als Stadt die Kritik aufgenommen, dass dies aus Sicht der Betroffenen nicht immer ausreichend geschehen sei. Diese Kritik nehmen wir ernst. Künftig liegt daher die inhaltliche Gestaltung der Gedenkveranstaltungen bei den Betroffenen.
Umgang mit Anfeindungen und Vorwürfen
Die Diskussionen rund um den Film haben zu Anfeindungen und Drohungen gegenüber ehemaligen und heutigen Mitarbeitenden und Amtsträgern geführt. Dies ist nicht akzeptabel. Kritik ist legitim, Drohungen und Hassnachrichten sind es nicht.
Alle Vorfälle werden dokumentiert und, wenn nötig, den zuständigen Strafverfolgungsbehörden gemeldet.
Den von der Filmemacherin gegenüber der Stadt Mölln erhobenen Rassismusvorwurf weisen wir mit aller Entschiedenheit zurück.
Schlusswort
Die Stadt Mölln stellt sich offen berechtigter Kritik und übernimmt Verantwortung. Wenn zu damaliger Zeit Fehler gemacht worden sein sollten, ist es wichtig, dazu zu stehen. Es ist jedoch nicht der richtige Weg, durch das Weglassen von wichtigen Informationen ein falsches Bild zu erzeugen. Vielmehr muss und sollte dem Zuschauer ermöglicht werden, sich anhand sämtlicher Informationen selbst eine Meinung zu bilden.
Fakt ist und bleibt: Die Anschläge vom 23. November 1992 bleiben ein tiefer Einschnitt in der Geschichte unserer Stadt. Wir verdrängen diesen Teil der Vergangenheit nicht, sondern übernehmen Verantwortung. Wir hören zu, wir lernen und wir handeln. Erinnerungskultur bedeutet für uns: Empathie, Würde und Verantwortung.
Sollten Sie sich selbst ein Bild über die damaligen Umstände machen wollen, können Sie im Stadtarchiv unter der Mailadresse Geschichte@stadt-moelln.de einen Termin vereinbaren.
Unser Ziel ist es, das Vertrauen zu stärken und eine Zukunft zu gestalten, in der Rassismus und Hass keinen Platz haben.
Ingo Schäper
Bürgermeister der Stadt Mölln
Hinweis: Die Veröffentlichung dieser Stellungnahme oder einzelner Bestandteile bedarf der Zustimmung des Bürgermeisters der Stadt Mölln. Anfragen unter buergermeister@moelln.de oder presse@moelln.de